Das Modellprojekt „Bäcker, Konditoren und Umwelt”

Soviel Strom wie 10 bis 100 Familienhaushalte verbraucht eine einzige Bäckerei. Das Konditorei- und Bäckereigewerbe liegt damit an der Spitze beim Energiebedarf im Handwerk. Der hohe Verbrauch bietet aber auch großen Spielraum für Einsparungen: Bis zu 25 Prozent sind möglich, so das Ergebnis des Modellprojekts "Bäcker, Konditoren und Umwelt" der Stadt Heidelberg, das am 9. Februar 2004 mit einer Abschlussveranstaltung endete.

Insgesamt 13 Betriebe untersuchte die KliBA, die sich als Kooperationspartner an dem Modellprojekt des Amtes für Umweltschutz, Energie und Gesundheitsförderung der Stadt Heidelberg beteiligte. Für die aufgezeigten Energielecks empfahlen die Experten geeignete Verbesserungsmaßnahmen. Schon mit einfachen Schritten, wie dem Backen mit abnehmender Temperatur, das die Restwärme der Öfen ausnutzen hilft, können Energiekosten eingespart werden.

Aber auch umfassendere Maßnahmen, wie der Austausch des Brenners oder die Nutzung der Abwärme der Backöfen für die Warmwasserbereitung, machen sich rasch bezahlt. "Auf der Basis unserer Ergebnisse haben wir eine Energie-Checkliste mit Maßnahmen entwickelt, von denen sich viele Investitionen schon nach zwei Jahren amortisieren", erläutert KliBA-Geschäftsführer Dr. Klaus Keßler. Auf diese Weise könne ein Betrieb seine Kosten spürbar senken und gleichzeitig die Umwelt deutlich entlasten.

Die größten Energieverbraucher in den Bäckereien sind die Backöfen mit 40 Prozent Anteil am Gesamtenergiebedarf eines Betriebes, gefolgt von den Kühlanlagen mit 20 Prozent. Entsprechend lag der Schwerpunkt des Modellprojekts auf diesen Bereichen. Zusätzlich zur Energieanalyse erarbeitete die KliBA gemeinsam mit dem Umweltamt und den anderen Projektpartnern - den Innungen der Heidelberger Bäcker und Konditoren sowie der Kreisgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) - Tipps zum umweltgerechten Umgang mit Reinigungsmitteln, zur Abfallentsorgung und zur vorbeugenden Schädlingsbekämpfung. So empfiehlt die BUND-Umweltberatung Heidelberg beispielsweise gegen Mehlmotten Klebefallen mit ungiftigen Sexualduftstoffen - eine einfache und zugleich ungefährliche Methode, die ungeliebten Tierchen aufzuspüren und ihre Verbreitung rechtzeitig zu stoppen.

Bild: Was bei Schmemmermäulern auf die Hüfte schlägt, ist wörtlich energieintensiv - das sieht der Konditor auf der Stromrechnung.

In den 13 Bäckereien und Konditoreien, die sich am Modellprojekt beteiligten, wurden bereits eine ganze Reihe der empfohlenen Energiespar-Maßnahmen umgesetzt: Mehrere Betriebe erneuerten ihre Kühlgeräte und Beleuchtungssysteme, zwei investierten in energieeffiziente Anlagen zur Warmwasserbereitung, und in einer Bäckerei wird künftig die gesamte Abwärme der Backöfen für Heizung und Warmwasser zurückgewonnen. Die gesammelten Erfahrungen und erarbeiteten Checklisten wurden in einer Broschüre aufbereitet und landesweit allen Innungsbetrieben des Bäckerei- und Konditoreihandwerks zur Verfügung gestellt.