Contracting-Modell überzeugt

Rathaus und Schule in Schönbrunn sollen über ein Nahwärmenetz beheizt werden – Diskussion im Rat

Schönbrunn. Mit einem Nahwärmenetz will die Gemeinde in absehbarer Zeit Rathaus und benachbarte Schule beheizen. Der Leiter der Klimaschutz- und Energieberatungsagentur (Kliba) Heidelberg, Dr. Klaus Kessler, stellte dem Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung konkretere Vorstellungen dazu vor. Bereits im vergangenen Jahr hatte Kessler verschiedene Varianten vor dem Gremium beleuchtet. Damals hatte sogar im Raum gestanden, das oberhalb des Rathauses gelegene Gemeindewohnhaus mit in den Verbund einzubeziehen. Das wurde mittlerweile aber verworfen, weil es laut Kessler schlichtweg zu teuer wäre.

Nun sollen also nur Schule und Rathaus mittels Holzpellets beheizt werden. Rund 45 Tonnen benötigt man nach Expertenauskunft pro Jahr dafür. Die Heizzentrale soll im Rathaus untergebracht werden, ebenso das Pellet-Lager. Etwa 20 Tonnen dieses Heizstoffs könnte man im derzeitigen Heizölraum auf einmal unterbringen. Die Gesamtinvestition für das neue Nahwärmenetz bezifferte Kessler auf etwa 140 000 Euro. Er schlug vor, das Projekt als Contracting-Maßnahme durchzuziehen. Dies bedeutet, dass ein externer Dritter das Ganze baut und betreibt und anschließend die Energie an die Gemeinde verkauft. Dabei müsse ein Grundpreis und ein Energiepreis von der Gemeinde bezahlt werden, erklärte der Kliba-Leiter. Die Laufzeit eines solchen Vertrages betrage zwischen 15 und 20 Jahre.

Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Gemeinde selbst die Anlage baut und betreibt und damit auch das wirtschaftliche Risiko trägt. Kessler sprach sich allerdings deutlich für das Contracting-Modell aus: „Das muss natürlich günstiger sein, als wenn es die Gemeinde selbst macht“. Beim Contracting gebe es ein standardisiertes Wettbewerbsverfahren, um den besten Anbieter zu finden, warb er dafür. Für die etwa 35 000 Euro teure Ausschreibung gebe es einen 50-prozentigen Zuschuss aus einem Landesprogramm. Das Prozedere dauere etwa ein halbes Jahr. Allerdings stieß das Contracting-Modell zunächst im Ratsrund auf Skepsis: „Was passiert, wenn der Dienstleister insolvent wird?“, wollte etwa Sascha Babovic (FW) wissen. „So einen Fall habe ich noch nie erlebt“, beruhigte Klaus Kessler. Zudem stehe die Anlage „vom ersten Tag an im Eigentum der Gemeinde“.

Der Contractor müsse doch auch finanziert werden, warf Ingo Kreutzer (CDU) ein und fragte nach der Höhe. Ein erfahrener Contractor betreibe solche Anlagen häufiger und könne dies wohl günstiger als die Gemeinde selbst machen, entgegnete Kessler. Karin Koch (CDU) fragte, ob es weitere solche Projekte im Bereich des „Gemeindesprengels“ gebe. Von drei ausgeschriebenen Anlagen sprach der Kliba-Chef. „Aber im Raum Heidelberg/Mannheim gibt es recht viele“. Nach Preisschwankungen bei den Pellets erkundigte sich Volker Wesch (CDU). Das werde über eine Preisgleitklausel geregelt, beruhigte Kessler.

„Das Ganze scheint kein schlechter Weg zu sein“, fasste Bürgermeister Jan Frey nach ausgiebiger Diskussion zusammen. Die Verwaltung werde nun in der nächsten oder übernächsten Sitzung vorschlagen, einen entsprechenden Vertrag zwecks Vorbereitung der Maßnahme mit der Klimaschutz- und Energie-Agentur Baden-Württemberg (KEA) abzuschließen. Zwar wurde an diesem Abend nicht förmlich über das Projekt abgestimmt. Gleichwohl ging die Tendenz im Rat dann in Richtung Zustimmung zu dem Contracting-Modell. Von Marcus Deschner

© Eberbacher Nachrichten vom Mittwoch, 27. September 2017, Seite 5