Eineinhalb Minuten fürs Klima

Erste Klimaschutz-Werkstatt der Kommune war schlecht besucht – Teilnehmer sprachen sich für „Tempo 30“ aus

Edingen-Neckarhausen. Am Tag vor Christi Himmelfahrt hatten nur knapp 30 Bürger aus Edingen-Neckarhausen Lust auf Klimaschutz. „Das Datum war vielleicht nicht ideal“, räumte Bürgermeister Simon Michler angesichts vieler leerer Sitzplätze im großen Saal im Schloss in Neckarhausen ein.

Doch trotz der Startschwierigkeiten bei der ersten Klimaschutz-Werkstatt, die Peter Kolbe von der Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur (KliBA) moderierte, könnte Edingen-Neckarhausen noch zur Vorzeigekommune werden, wenn sie entsprechende Strategien zum Klimaschutz umsetzt. „Wir sind verpflichtet, ressourcenschonend zu handeln“, sagte Bürgermeister Michler.

Lebenswandel muss umgestellt werden

Ein Klimaschutzkonzept hat der Gemeinderat 2015 bereits beschlossen; nun soll es weitergehen, damit, so Kolbe, „Verwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft zukünftig unter dem Dach eines gemeinsamen Klimaschutzleitbildes kontinuierlich Maßnahmen für den Klimaschutz realisieren“.

Seit der industriellen Revolution sei der CO2-Ausstoß dramatisch gestiegen. Das gelte auch für die global gemessene Temperatur, sagte Kolbe und verwies auf wissenschaftliche Untersuchungen. „Es wird angesichts dessen für jeden schwer, zu behaupten, da gebe es keine Zusammenhänge und den Klimawandel gebe es nicht.“

So schnell wie möglich müsse man raus aus dem fossilen Zeitalter, doch „ohne Umstellung unseres Lebenswandels geht es auch nicht.“ Um es mit den Worten des Naturwissenschaftlers Ernst Ulrich von Weizäcker zu sagen: „Weniger Mobilität, weniger Schrott, weniger Fresserei und Integration der Alten.“ Im Auftrag der Kommune hat die KliBA den Ist-Zustand in Edingen-Neckarhausen erfasst und Potentiale errechnet.

Zum Beispiel bei der Solarthermie und Photovoltaik, wo nur zwei und elf Prozent ausgenutzt werden. 64 Prozent an Strom könnte auf der Gemarkung selbst erzeugt werden und bis 2030 wäre eine Senkung des CO2-Ausstoßes um 44 Prozent möglich. Für den Energieverbrauch in der Gemeinde sind, rechnet man den Individualverkehr und die privaten Haushalte zusammen, zu 53 Prozent die Bürger verantwortlich. Kommunale Liegenschaften machen nur zwei Prozent aus, Gewerbe und produzierende Betriebe liegen bei zehn bis 18 Prozent. „Bei den privaten Haushalten und dem privaten Verkehr auf den Straßen spielt die Musik, wenn es um den Klimaschutz geht“, sagte Kolbe.

So könnte man durchaus entspannt mit einer Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern durch beide Orte fahren statt mit 50. Der Zeitverlust liege gerade mal bei eineinhalb Minuten.

Nach dem Einstiegsreferat von Kolbe setzten sich die Anwesenden in vier Gruppen zusammen, um herauszuarbeiten, welche der vorgeschlagenen Strategien in den verschiedenen Bereichen welche Priorität hat. Neben Tempo 30 könnten das unter anderem der Ausbau des Nahwärmenetzes sein, die Anschaffung von Fahrrädern und E-Bikes für die Verwaltung oder der Besuch der Energiekarawane (Ergebnisse siehe Kasten).

Nach Möglichkeit soll das Thema alle Altersklassen ansprechen, damit bereits aus den Allerkleinsten Klimaschützer werden. Bei all seinen Gesprächspartnern habe er Bereitschaft zum Handeln festgestellt, sagte Kolbe. Sie müssten nur wissen, wie.

In den nächsten Klimaschutz-Werkstätten und Workshops werden die Bürger es erfahren, so sie denn auch kommen. Es sieht so aus, als ob die Kommune in der Öffentlichkeitsarbeit noch eine Schippe drauflegen müsste, damit das Thema wirklich alle erreicht. Von Nicoline Pilz

© Rhein­Neckar­Zeitung, Bergstraße/Mannheim - Weinheimer Rundschau vom Dienstag, 30. Mai 2017, Seite 6

<< vorherige Seite »20Jahre KliBA)«