Die Energiekarawane geht in Betriebe

Beratungen der KliBA für Gewerbetreibende – Kostenlose „Energiechecks“ vor Ort – Grünen-Stadtrat skeptisch

Neckargemünd/Bammental. (cm/bmi) Die Karawane zieht weiter – in diesem Fall die „Energiekarawane“ der Klimaschutz- und Energieberatungsagentur Heidelberg-Rhein-Neckar-Kreis (KliBA). Fast 80 Mal hat die Karawane in den vergangenen Jahren in Städten und Gemeinden der Metropolregion Station gemacht, so auch in Bammental, Neckargemünd und Wiesenbach. Dabei wurde Eigenheimbesitzern angeboten, sich zu Hause über die Möglichkeiten der energetischen Gebäudesanierung informieren zu lassen. Rund 8000 Beratungsgespräche fanden statt. Nun wird es wieder eine Energiekarawane für Gewerbebetriebe geben. Neckargemünds Bürgermeister Frank Volk informierte den Gemeinderat in der jüngsten öffentlichen Sitzung, dass sich der Gemeindeverwaltungsverband (GVV) beteiligen wird. Dann profitieren auch Bammental, Wiesenbach und Gaiberg von dem Angebot.

Der Rathauschef sprach von „großen Einsparpotenzialen“. Wie bei Wohnhäusern, so geht es auch bei Verwaltungs- und Betriebsgebäuden um die Reduzierung von Heizkosten. Aber auch bei der Beleuchtung könnten bis zu 70 Prozent Strom gespart werden. Bei der neuen Kampagne würden die wesentlichen Faktoren der Energiekarawane erhalten bleiben: Die Kommunen sind als Projektträger vor Ort aktiv beteiligt, der Bürgermeister spricht die Gewerbebetriebe persönlich an und die bisherige Haltung wird umgekehrt, indem die Energieberatung nicht abgeholt werden muss, sondern gebracht wird.

Kernstück der Kampagne ist das Angebot eines kostenlosen „Energiechecks“ vor Ort im Betrieb. Ohne bürokratischen Aufwand und ohne lange Vorbereitung des Betriebs, so wird versprochen, könne nach einer kurzen Bestandsaufnahme von etwa einer Stunde bereits gesagt werden, welche Einsparpotenziale bestehen und ob es sich für den Betrieb lohnt, entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Darüber hinaus können auch Beratungen für Fördermittel beantragt werden.

Für zwölf Beratungen muss eine Kommune einen Eigenanteil von 500 Euro tragen – eigentlich. „Wir bewerben uns aber mit dem gesamten GVV so, als wären die vier Orte eine Kommune“, erklärte Volk. Damit würden die Kosten bei 500 Euro bleiben, es gibt aber trotzdem zwölf Beratungen je Kommune, also insgesamt 48 Stück. Das kam Thomas Schmitz spanisch vor. „48 Beratungen zum Stückpreis von etwa zehn Euro – was soll dabei herauskommen?“, zeigte sich der Grünen-Stadtrat skeptisch. Schmitz wunderte sich zudem darüber, dass sich der Gemeinderat mit dem Thema beschäftigt, weil der Bürgermeister über 500 Euro selbst entscheiden könne. „Sie müssen es nur zur Kenntnis nehmen“, so Volk. Anders in Bammental – hier hatte der Gemeinderat über die Teilnahme an der Energiekarawane abzustimmen. Das Gremium tat dies einstimmig und ohne große Diskussion.

In Neckargemünd wollte Hermino Katzenstein (Grüne) wissen, ob sich das Kontingent beliebig zwischen den Kommunen des GVV aufteilen lässt, was Frank Volk bestätigte. „Wir lassen es aber auch nicht am 13. oder 14. Betrieb scheitern“, betonte der Bürgermeister. Wenn es mehr Interessenten gebe, sollen diese auch beraten werden. Die Kosten sollen anhand der Anzahl der teilnehmenden Gewerbebetriebe auf die Kommunen umgelegt werden. Die Vergabe erfolgt nach dem Windhund-Prinzip, erklärte Volk auf Nachfrage von Steffen Wachert (Freie Wähler). Also: Wer zuerst kommt, mahlt – äh, spart zuerst.

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© Rhein-Neckar-Zeitung, Region Heidelberg vom Donnerstag, 8. März 2018, Seite 5

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