Den Stromfressern auf der Spur

Drittklässler der Grundschule Dilsberg-Mückenloch machten beim Projekt „Stand-by an Schulen“ mit

Von Thomas Seiler

Neckargemünd-Dilsberg. Neckargemünds Erster Bürgermeisterstellvertreter Winfried Schimpf kann ein Lied davon singen. Seine Enkel weisen ihn in seinem Haus auf Energiesparmaßnahmen hin und können dabei „auch einmal nerven“. Warum das geschieht, erlebte er vor Ort in der Grundschule Dilsberg-Mückenloch, als er zusammen mit den Drittklässlern beim landesweiten Projekt „Stand-by an Schulen“ heimlichen Stromfressern nachspürte.

„Es ist wichtig, dass nicht nur die Kleinen erkennen, wie man den Alltag klimafreundlicher gestalten kann, wenn man am Beispiel Strom den Zusammenhang zwischen Klimaschutz und Energieverbrauch begreift“, klärte Michael Boeke von der Klimaschutz- und Energieberatungsagentur (KliBA) den SPD-Stadtrat auf und erhielt natürlich durch die städtische Klimaschutzmanagerin Nicola Lender weitere Unterstützung.

Der gelernte Erzieher, der seit einem Jahr für die KliBA durch die Schulen tingelt, nutzte zwei Unterrichtsstunden, um die Kleinen für den Treibhauseffekt und den Klimawandel zu sensibilisieren. Vorarbeit dazu leistete bereits die Klassenlehrerin Bettina Glinz, sodass der Pädagoge bei ihren Zöglingen mit seinen Materialien und Modellen offene Türen einrannte. Da wusste natürlich Fanny genauso Bescheid wie Paul, dass die globale Erwärmung bei der Erde praktisch Fieber erzeugt und es daher zu Wetterextremen und dahin schmelzenden Gletschern kommt. „Wie können wir den Klimawandel aufhalten?“ lautete dazu die Frage Boekes und hielt dabei ein Strommessgerät in der Hand.

„Überall wird zu viel Strom verbraucht und das schadet der Umwelt“, wusste Lars sofort Bescheid und zeigte dies bei den Messungen ebenso wie seine Mitschüler nicht nur an mitgebrachten Handys. „Auch wenn die Geräte aus sind, zapfen sie trotzdem Strom“, bemerkte Anouk, während sie die elektrische Zahnbürste als schmarotzendes Stand-by-Gerät fast ungläubig betrachtete.

„Jetzt geht es darum, solche Kenntnisse in die Familie zu tragen“, wurde den Schülern beim Austeilen der Strommessgeräte und Hausaufgabenblättern eine Forderung mit auf den Weg gegeben. Das könne dann für die Eltern ganz schön an das Nervenkostüm gehen. Hier stimmten der städtische Vertreter genauso mit einem spontanen Kopfnicken zu wie bei Schulleiterin Ulrike Hodapp.

Die Rektorin, die ihre Schule mit den rund 90 Schülern als „klein und familiär“ bezeichnete und ihren acht Kolleginnen ein „tolles Binnenklima“ attestierte, zeigte sich angetan von dem landesweiten Projekt, das in das Förderprogramm „Klimaschutz-Plus“ fällt. Und nichts dagegen hätte sie, wenn weitere Unterrichtseinheiten wie „Erneuerbare Energien“ oder ein Projekttag „Energie- und Klimaschutz“ durch den Einsatz der KliBA entstünden.

Einen Hinweis von Nicola Lender nahm sie sofort in ihre Agenda auf: die Gründung eines E-Teams, das in der Schule auf das Einsparen von Strom achtet. „Das fängt schon im Kleinen an, dass nach dem Unterricht immer das Licht ausgeschaltet wird“, griff die städtische Angestellte auf eigene Erfahrungen aus den Rathauszimmern zurück.

©RNZ, Region Heidelberg vom Donnerstag, 27. Juli 2017, Seite 54

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