Malscher Grundschüler spüren Stromfressern nach

Landesweites Projekt "Stand-by in Schulen": Gestern war ein Klima-Fachmann bei den Viertklässlern zu Besuch

Strom wird in Kraftwerken erzeugt. Da erzählte Benjamin Friedrich den Malscher Viertklässlern nichts Neues. Und dabei entsteht auch eine ganze Menge CO2. "So wie bei den pupsenden Kühen?" Ja, genau so. "Aber dann wird doch die Erde wärmer, oder?" Stimmt. Und dann? "Dann schmilzt das ganze Eis!" "Und die Pflanzen vertrocknen!" "Und was machen wir danach? Wir schwitzen und haben nichts mehr zu essen ..."

Von so viel Wissen war sogar der Mann von der Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur (Kliba) sichtlich beeindruckt, der gestern an der Grundschule in Malsch zu Besuch war. Das erklärte Ziel von Benjamin Friedrich: den beiden vierten Klassen den Zusammenhang zwischen Klimaschutz und Stromverbrauch näherzubringen. Und zwar ganz konkret am Beispiel des Stand-by-Betriebes bei elektrischen Geräten - damit die Kinder ihren eigenen Alltag und den ihrer Familien klimafreundlicher gestalten können. Mit der Aktion hat das landesweite Projekt "Stand-by in Schulen" nun auch in dem Weindorf Einzug gehalten. Insgesamt haben bereits 229 Klassen aus dem Rhein-Neckar-Kreis und der Stadt Heidelberg an dem Projekt seit dem Start vor fünf Jahren teilgenommen; im aktuellen Schuljahr machen 92 Klassen an 37 Schulen mit.

Bürgermeisterin Sibylle Würfel, die bei diesem "Unterricht der besonderen Art" ebenfalls mit von der Partie war, freute sich natürlich über das Engagement des Kliba-Mitarbeiters in der Gemeinde: "Zumal sich Malsch ja ohnehin auf den Weg gemacht hat, mehr für die Umwelt zu tun." Stichwort "Klimaschutzwerkstatt". "Wir unterstützen natürlich die Bemühungen der Gemeinde", schlug Schulleiterin Dorothea Kuhn-Bender in die gleiche Kerbe. Das Interesse der Schüler an der Materie signalisiere, dass der "bewusste Umgang mit Energie" nicht nur Bildungsziel sein müsse, sondern auch noch Spaß machen könne.

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Benjamin Friedrich von der KliBA mit Selina und Nina beim Messen des Stromverbrauchs. Foto: Helmut Pfeifer

Den hatten die Viertklässler in der Tat, insbesondere beim anschließenden Experimentieren. Mitgebrachte Zahnbürsten, Haarföhne und andere Elektrogeräte türmten sich auf den Pulten. Benjamin Friedrich hatte ein Strommessgerät im Gepäck, mit dessen Hilfe der genaue Verbrauch ermittelt werden konnte. "Der Wasserkocher ist ja der absolute Wahnsinn", 2300 Watt. Damit hatten die Malscher "Stromspardetektive" eindeutig den "Stromfresser des Tages" ermittelt. Und was verbraucht ein CD-Player so durchschnittlich? Nach der Messung war klar: Eingeschaltet fast 25 Watt, im Stand-by "nur" noch ein Zehntel davon. "Aber das ist eben Stromverschwendung, Energie, die eingespart werden könnte", erklärte der Kliba-Fachmann. Und: "Verbraucht man weniger Strom, wird nicht nur die Stromrechnung billiger, sondern eben vor allem das Klima geschützt. So können die nächsten Generationen auch noch gut leben."

Aber eigentlich wussten die Schüler das schon. Denn auch Energiedetektiv "Ede" war im Auftrag des baden-württembergischen Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft schon mal zu Gast in der 4b. Klassenlehrerin Sabine Flohr nutzt verschiedene Quellen, um das Thema "Klimaschutz" im Klassenzimmer aufzubereiten. "Die Kinder sind die Erwachsenen von morgen", sagt sie. "Wenn sie lernen, mit ihrer Umwelt verantwortungsbewusst umzugehen, können sie dieses Bewusstsein auch zu Hause an die Eltern weitergeben."

Diesen "umgekehrten Erziehungseffekt" versucht denn auch die zehnjährige Nina mühsam in die Tat umzusetzen: "Den Nachtlichtstecker fürs Bad ziehe ich tagsüber regelmäßig raus, obwohl Papa dann immer stinkig ist." Klassenkamerad Louis hat nach eigenem Bekunden im elterlichen Haushalt mit dem Stromverbrauchsmesser "schon so ziemlich alles gemessen, was möglich ist". Und Selina hilft daheim beim Wäscheaufhängen, "weil der Wäschetrockner so viel Strom frisst". Apropos "Wäschetrockner": Über dessen Einsatz muss Sibylle Würfel künftig vielleicht auch noch einmal genauer nachdenken. Sie staunte: Mit dem Strom für nur einen einzigen Trocknergang könnte man sage und schreibe 7500 Männer rasieren - allerhand, wie die Rathauschefin schmunzelnd befand. teu

© RNZ, Wiesloch / Malsch, 20. März 2015, Seite 6

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