Wie lässt sich der Stromverbrauch senken?

Bücherei besiegelt Kooperation mit der KliBA und leiht Strommessgeräte zwei Wochen lang kostenlos an Interessenten aus

Plankstadt. Es ist eine der größten Geldvernichtungsmaschinen Deutschlands. Bis zu sechs Milliarden Euro, so das Umweltbundesamt, gehen jedes Jahr durch den Stand-by-Betrieb von elektrischen Geräten und durch die sogenannten Leerlaufverluste verloren. Das entspricht ungefähr dem Stromverbrauch Berlins. Darüber hinaus steht dieser komplett unnütze Verbrauch für die Emission von schätzungsweise zwölf Millionen Tonnen Kohlendioxid. Dabei, so der Geschäftsführer der Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur (KliBA), Dr. Klaus Keßler, sei diese Verschwendung so einfach zu verhindern. „Einfach das Gerät mal abschalten oder den Netzstecker vom Netz nehmen.“ Doch es fehle das Bewusstsein. Und genau dagegen will die KliBA gemeinsam mit der Stadtbücherei und dem Projekt „Strommessgerät ausleihen wie ein Buch“ vorgehen.

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Besiegelten die Kooperation mit dem Projekt „Strommessgerät ausleihen wie ein Buch“: Büchereileiterin Claudia Verclas, Bernhard Müller, Bürgermeister Jürgen Schmitt und KliBA-Geschäftsführer Dr. Klaus Keßler (v.l.).

Unnötiger Stand-by-Betrieb

Schon seit Jahren wird auf diese Stromverschwendung hingewiesen. Doch Keßler räumte gegenüber der RNZ ein, dass sich trotz allem noch nicht wirklich viel getan habe. Obwohl Kühlschränke, Waschmaschinen und Fernseher in den vergangenen Jahren laufend energieeffizienter wurden, sank der Stromverbrauch kaum. Denn erstens besitze der durchschnittliche Haushalt immer mehr elektrische Geräte, die in Teilen auch laufend größer wurden, und zweitens gebe es immer mehr Stand-by- und Leerlaufverluste. So ziehen viele Geräte laufend Strom, auch wenn sie scheinbar ausgeschaltet sind. Der Stand-by-Betrieb ziehe Tag für Tag 24 Stunden lang Strom, obwohl das Gerät im Schnitt nur ein bis zwei Stunden pro Tag genutzt werde. Und ein Handy- oder Laptopnetzteil in der Steckdose verbrauche Strom, auch wenn Handy oder Laptop gar nicht dranhängen. Es sind genau diese Verbräuche, die dem Bürger mit diesem kleinen Messgerät nun offenbart werden sollen.

Die Anwendung ist dabei denkbar einfach. Einfach das Messgerät zwischen Steckdose und Stecker des Geräts platzieren, und die Messung läuft. Zur Verdeutlichung bekommt jeder Bürger in der Stadtbücherei zu dem Strommessgerät auch noch ein KliBA-Merkblatt, in dem die Messergebnisse durch Rechenbeispiele noch verständlicher werden.

Ganz schnell, so denn auch Büchereileiterin Claudia Verclas, erhalte man so ein Gefühl für den Energieverbrauch in den eigenen vier Wänden und das Einsparpotenzial. Allein durch das Vermeiden von Stand-by-Betrieben und Leerlaufverlusten könne ein durchschnittlicher Haushalt pro Jahr zwischen 70 und 80 Euro einsparen.

Aber auch bei den Großgeräten kann der kleine Strommesser zu einem Umdenken führen. Ein etwas älterer Kühlschrank kann im Jahr bis zu 250 Kilowattstunden Strom verbrauchen. Ein neues Gerät schafft es dagegen deutlich unter 100 Kilowattstunden.

Genau das erlebte übrigens Bürgermeister Jürgen Schmitt, der sich über den neuen Service aus der Bücherei sichtlich freute. Ein Strommessgerät offenbarte in seinem Keller den Gefrierschrank als wahre Stromschleuder. „Der Neukauf hat sich angesichts eines Stromverbrauchs, der sich weit mehr als nur halbiert hat, sehr schnell gelohnt.“ Und darüber hinaus sei es ein kleiner, aber trotzdem wirksamer Beitrag zum Klimaschutz. Man stelle sich nur vor, alle Menschen würden Stand-by und Co. zu vermeiden versuchen und bei einem Neukauf das jeweils energieeffizienteste Gerät kaufen.

Dann könnte, da ist sich Keßler sicher, weltweit auf sehr viele Kohlekraftwerke verzichtet werden. (Stefan Kern)

Fi Info: Das Strommessgerät mit Merkblatt kann in der Bücherei im Gemeindezentrum kostenlos für zwei Wochen ausgeliehen werden.

Schwetzinger Nachrichten vom Freitag, 9. Oktober 2015, Seite 3

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