Kampagne zur Solarenergienutzung

Geschäftsführer der Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur erläutert erneuerbare Energien

Schönbrunn.(MD) Potenziale der erneuerbaren Energien und integrierte Wärmenutzung in der Gemeinde Schönbrunn erläuterte in der jüngsten Gemeinderatssitzung Dr. Klaus Kessler. Der Geschäftsführer der Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur (KliBA) mit Sitz in Heidelberg ging in seinem gut halbstündigen Referat auch auf ein Kurzgutachten zur Energie- und Treibhausgasbilanz in der Gemeinde ein. An der gemeinnützigen KliBA GmbH sind der Rhein-Neckar-Kreis, die Stadt Heidelberg, ein örtliches Geldinstitut sowie 26 kreisangehörige Kommunen beteiligt. Vor zwei Jahren beauftragte der Schönbrunner Gemeinderat die Agentur mit der Erstellung der Expertisen.

Mit dem in den Jahren 2013/2014 erstellten Konzept wurde eine Energie- und Kohlendioxid-Bilanz nach Sektoren und Energieträgern erstellt. Es wurden Abwärmequellen und Wärmebedarf ermittelt sowie eine Potenzialanalyse erneuerbarer Energiequellen wie Wind, Biomasse, Wasser, Geothermie und Sonne vorgenommen. Schließlich wurden Maßnahmenvorschläge zur Erschließung der Potenziale unterbreitet. Die Energie- und CO2-Bilanz für die Gemeinde soll laut Kessler alle drei Jahre fortgeschrieben werden. Für die Gesamtgemeinde habe man im Bezugsjahr 2010 einen Gesamtenergieverbrauch von 65 000 Megawattstunden errechnet, sagte der Experte. Die bedeute einen CO2-Ausstoß von etwa 20 000 Tonnen, was geringer als der Durchschnitt im Rhein-Neckar-Kreis sei. Hauptenergieträger sei Öl, da kein Erdgas verfügbar sei. Dennoch gebe es im Kleinen Odenwald einen relativ hohen Anteil an erneuerbaren Energien wie etwa Holzfeuerungen. Auch die Möglichkeiten für ein Nahwärmenetz habe man untersucht. Dies sei zwar in manchen Ortsteilen, wie in Haag und Moosbrunn, machbar, in anderen, wie etwa in Allemühl, hingegen weniger sinnvoll. Auch die Abwärmemengen in der Gemeinde habe man überprüft. Diese seien jedoch mangels entsprechender Industriebetriebe verschwindend gering.

Vier Szenarien zur Sonnenenergienutzung wurden Kesslers Aussagen zufolge untersucht. Setze man auf alle in der Gemeinde dafür in Frage kommenden Flächen Fotovoltaik-Anlagen, so könne jährlich ein Ertrag von 9.650 Megawattstunden Strom erzeugt werden. Das sei mehr als in der Kommune gebraucht werde. Derzeit erzeugten die 125 vorhandenen PV-Anlagen etwa 1.250 Megawattstunden pro Jahr.

Klaus Kessler empfahl zur kurzfristigen Umsetzung die Errichtung von Nahwärmenetzen in Haag und Moosbrunn, zur mittelfristigen Verwirklichung „eine Kampagne zur Solarenergienutzung“. Langfristig sollte eine „Ausbaustrategie Biomasse“ entwickelt werden. „Machen Sie aber nicht zu viel auf einmal, dabei kann man sich leicht überheben,“ mahnte der KliBA-Leiter zu maßvollem Vorgehen. „Unglückliche Formulierungen in dem 80 Seiten umfassenden Werk“ monierte Karin Koch. Drei oder vier darin enthaltene Vorschläge seien „für die Zukunft“. Wenngleich die Ausarbeitung nicht dem entspreche, was der Gemeinderat laut Koch ursprünglich in Auftrag gegeben hatte. Für das rund 20.000 Euro teure Konzept, das zur Hälfte mit Fördergeldern bezahlt wurde, könne man auch „kein komplettes Energiesparkonzept mit allem drum und dran“ erhalten, gab Bürgermeister Jan Frey zu bedenken.

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Eberbacher Nachrichten, © Rhein-Neckar-Zeitung, Samstag, 6. Dezember 2014, Seite 5

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