Schönbrunn soll ein Nahwärmekonzept erhalten

Geschäftsführer der Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur Heidelberg-Rhein-Neckar-Kreis stellt Gemeinderat zwei Varianten vor

Schönbrunn. (nak) Schon länger überlegt die Gemeinde, das Rathaus, die Schule und ein gemeindeeigenes Mehrfamilienhaus durch ein Nahwärmenetzwerk zu heizen. „Wir haben aus diesem Grund mit der Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur Heidelberg- Rhein-Neckar-Kreis (KliBA) Kontakt aufgenommen“, erläuterte Bürgermeister Jan Frey in der vergangenen Gemeinderatssitzung. Diese habe nun verschiedene Möglichkeiten geprüft. Geschäftsführer Dr. Klaus Keßler stellt dem Gremium die verschiedenen Varianten vor.

Natürlich bestehe die Möglichkeit, alle drei Gebäude mit einer zentralen Holzpelletheizung auszurüsten, so Keßler. Dies sei aber teurer, als eine dezentrale Lösung. Aus diesem Grund riet die Agentur zu Variante 2, die vorsieht, das Rathaus sowie die Schule gemeinsam mit einem Doppelpelletkessel, der im Rathaus steht, zu versorgen. Das Rathaus biete sich aus dem Grund an, da der bisherige Heizölraum für den Pelletkessel genutzt werden könne und das Rathaus, anders als die Grundschule, bereits über einen Kamin verfüge. Das spare beim Umbau Kosten. Das Mehrfamilienhaus soll eine gesonderte Holzpelletanlage erhalten. Die Investitionskosten für die Umbauten beliefen sich auf schätzungsweise 140 000 Euro.

Ans Herz legte Klaus Keßler dem Gremium einen sogenannten „Contractor-Vertrag“. „Da haben sie alles aus einer Hand“, erklärte er, da sich der Contracotor sowohl um die Finanzierung der Anlage, ihrer Planung, den Einbau sowie den Betrieb und die Wartung kümmere. Also gewissermaßen das Nahwärmenetzes betreibt. Verträge hierfür liefen meist über 15 Jahre. Die reinen Heizkosten seien dann zwar etwas höher, als wenn die Gemeinde das Netzwerk selbst betreibe, aber sie habe auch „kein Risiko“.

Das Finden eines geeigneten Contractors, also einer Firma die am Aufbau und Betrieb des Nahwärmenetzes interessiert sei, verlaufe schon seit einigen Jahren nach einem standardisierten Verfahren, erläuterte Dr. Keßler. Dabei sei festgelegt, dass die Preise des Contractors günstiger sein müssten, als wenn die Gemeinde selbst als Betreiber auftritt. Die Kosten für das Verfahren belaufen sich auf rund 30 000 Euro. „Momentan wird dieses Verfahren aber noch mit rund 50 Prozent von der Landesenergieagentur gefördert“, wusste Dr. Keßler.

Wie die Preisgestaltung eines solchen Contractors sei, wollte Gunter Kirschenlohr wissen. Ebenso, was mit dem Netzwerk nach Ablauf der 15 Jahre geschehe. „Der Heizungspreis bei einem Contractormodell setzt sich aus einem festen Grundpreis und einem schwankenden Arbeitspreis zusammen“, erläuterte Dr. Keßler. Nach Ablauf der Vertragszeit, habe das Netz natürlich noch einen Restwert, die Heizkessel wären meist abgeschrieben. Die Gemeinde könne dann überlegen, ob sie dann eine erneute Ausschreibung vornehme, oder aber das Nahwärmenetz selbst übernehme.

Karin Koch war es wichtig zu wissen, wie viele solcher Modelle es schon gibt und wie diese funktionieren. „Fernwärme als Großkonzept gibt es beispielsweise in Heidelberg schon lange“, so Dr. Keßler und nichts anderes wäre das Schönbrunner Modell.Über die genauen Kosten, konnte der Fachmann keine Angaben machen, da hierfür eine genauere Planung erforderlich ist. Erst dann sei auch bekannt, welche möglichen Förderungen es gebe. Der nächste Schritt bestehe nun darin, „alle Kosten dezidiert nebeneinander zu stellen“.

Bürgermeister Jan Frey, bat bei den immer detaillierter werdenden Fragen, im Moment noch nicht zu viel zu erwarten. Sicher sei jedoch, dass bei genaueren Berechnungen und Planungen seitens der KliBA Kosten auf die Gemeinde zukommen. „Aber wir kommen um das Thema nicht herum!“, machte er deutlich.

Aus den Reihen des Gremiums wurde an Dr. Keßler abschließend noch die Bitte herangetragen, dass die KLiBA der Gemeinde doch Kommunen nenne, die ein solches Nahwärmekonzept umgesetzt hätten. Hier war Dr. Keßler gern bereit zu vermitteln.

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Eberbacher Nachrichten vom Samstag, 3. Dezember 2016, Seite 5

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