Stromfressern auf der Spur

Klimaschutzagentur und Neurottschule kooperierten bei einem Energiesparprojekt - Kinder mit großem Lerneifer

Ketsch. Für die Kinder der 4b an der Neurotteschule geriet das Ganze fast zu einem kleinen Abenteuer. Ausgestattet mit einem Messgerät für den Stromerbrauch begaben sie sich wie Detektive auf die Fährte heimlicher Stromfresser. Und die lauerten überall. Der Fernseher, die alte Stehleuchte, der Computer, der Wasserkocher oder das Ladekabel in der Steckdose. Vieles, was die Schüler zuhause unter die Lupe nahmen, verbrauchte Strom und das ohne jeden Nutzen. In Zeiten des Klimawandels ein ernüchterndes Ergebnis.

Losgetreten haben diese Recherche Michael Boeke und Anita Köhler von der Heidelberger „Klimaschutz- und Energieberatungsagentur“ (KliBA) gemeinsam mit Lehrerin Petra Kurz. In zwei Mal zwei Doppelstunden erarbeiteten sie mit den Kindern im Rahmen des landesweiten Projekts „Stand-by in Schulen“, das hier von der Sparkasse gefördert wurde, die Energie-Klima-Problematik. Und das übrigens, so viel vorab, auf sehr beeindruckendem Niveau. Angefangen vom durchschnittlichen Energiemix in Deutschland über die Auswirkungen auf die Umwelt bis zu den Möglichkeiten mit dem eigenen Verhalten Energie einzusparen, kam alles auf den Tisch.

Dabei waren die Kinder verblüfft, was in den eigenen vier Wänden an Energieverbrauch zusammenkommt. Das ergibt auf Deutschland hochgerechnet mindestens zwei, wenn nicht drei mittelgroße Kraftwerke. Und es wäre so einfach, hier einzusparen. Für einen der Schüler war es vollkommen unverständlich, warum ein Fernseher 24 Stunden am Tag Strom verbraucht, wenn er pro Tag nur zwei bis drei Stunden wirklich läuft. „Das ist doch blöd.“ Eine Einschätzung, die die Deutsche Energieagentur (dena) teilt. In deutschen Privathaushalten macht der Stand-by-Verbrauch laut dena rund elf Prozent des Stromverbrauchs aus. Das sind im Jahr deutlich mehr als 300 Kilowattstunden und verursacht Kosten unnötigerweise an die 90 Euro.

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Die Jungen und Mädchen der Neurottschule waren verblüfft, als sie feststellten, wo überall unnötig Strom vergeudet wird. Michael Boeke (KliBA) und Schulleiter Joachim Runold (stehend) begleiteten das KliBA-Projekt. Foto: Lenhardt

Bundesweit, so das Umweltbundesamt summieren sich die jährlichen Stand-by-Kosten zu einer Summe von vier Milliarden Euro. Weit schlimmer sei, dass für diesen nutzlosen Betrieb allein in Deutschland gleich mehrere Kraftwerke gebraucht und enorme Mengen Kohlendioxid in die Luft geblasen werden. Dabei, so die Schüler, sei es ganz einfach gegen diese stille Stromverschwendung etwas zu tun. Den Stecker einfach ziehen, eine Zeitschaltuhr nutzen oder eine Steckerleiste mit Abschschaltknopf nutzen. Darüber hinaus sollte man auch immer Geräte kaufen, die möglichst wenig Strom verbrauchen. In einem kleinen Experiment erlebten die Schüler hierzu die erstaunlichen Unterschiede zwischen normaler Glühlampe, Halogen, LED und Energiesparlampe. Die Glühlampe verbraucht 25 Watt, die Halogen 18 Watt, die Energiesparlampe fünf Watt und die LED vier Watt. Letztere ist mit einer Lebensleistung von 20 000 Stunden übrigens auch in der Kategorie Lebensdauer klar überlegen.

Und so stand für die Schüler dann auch außer Frage, dass zu Hause nur noch LED zum Einsatz kommen dürfen. Es sind, so die Umweltpädagogin Köhler, alles ganz kleine Schritte. Die Klimadetektive der Neurottschule werden jedenfalls ab sofort aufpassen! Von Stefan Kern

© Rhein-Neckar-Zeitung, Schwetzinger Nachrichten vom Samstag, 28. Januar 2017, Seite 3


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