Mit Stromsparhelfern fällt die Rechnung niedriger aus

Caritas stellte Langzeitarbeitslose als Berater für einkommensschwache Haushalte an – Bundesweites Projekt jetzt auch in Heidelberg

Heidelberg. Seit einigen Wochen sind Karsten Boysen und Peter Kaltschmitt in ganz besonderer Mission in der Stadt unterwegs: Als „Stromsparhelfer“ beraten sie kostenlos einkommensschwache Haushalte, wie man den Verbrauch von Energie und Wasser so senken kann, dass die Rechnung am Ende des Monats oder Jahres niedriger ausfällt. Die beiden Heidelberger nehmen an dem Projekt „Stromspar-Check Plus“ teil, das vom Caritasverband Heidelberg getragen wird. Als Kooperationspartner mit im Boot sitzen die Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur Heidelberg-Rhein-Neckar-Kreis (KliBA), das Jobcenter und die Stadt Heidelberg sowie die Stadtwerke.

Wie Hubert Herrmann, Geschäftsführer des Caritasverbands Heidelberg, bei einem Pressegespräch erläuterte, verbindet das Projekt den Klimaschutz auf der einen Seite mit beschäftigungspolitischen Zielen auf der anderen Seite: „Wir wollen Langzeitarbeitslosen die Möglichkeit geben, wieder im Berufsleben Fuß zu fassen.“ Derzeit sind vier fest angestellte Stromsparhelfer in Heidelberg eingesetzt, die eine intensive vierwöchige Schulung durch die KliBA absolviert haben und immer in Zweierteams unterwegs sind. Karsten Boysen und Peter Kaltschmitt haben die Chance gerne genutzt, nach zwei beziehungsweise anderthalb Jahren Arbeitslosigkeit aus der Hartz-IV-Spirale herauszukommen und eine Tätigkeit auf für sie ganz neuem Terrain aufzunehmen.

Während Boysen gelernter Industriekaufmann mit Weiterbildung zum Betriebswirt und Fremdsprachenkaufmann ist, arbeitete Kaltschmitt 13 Jahre im Vertrieb eines Pharmaunternehmens und, nach dessen Auflösung, bei einer Elektronikfirma. Für ihren neuen Job erfüllten beide die entsprechenden Voraussetzungen – Lebens- und Berufserfahrung sowie soziale Kompetenz. „Wichtig ist eine Mischung von kaufmännischem und technischem Bereich“, betont Peter Moskob, Projektleiter bei der Heidelberger Caritas und Ansprechpartner für alle Interessierten.

Bundesweit ist das vom Bundesumweltministerium geförderte und seit 2008 laufende Projekt eine gemeinsame Aktion des Deutschen Caritasverbands und des Bundesverbands der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands. Die Möglichkeit zu einer kostenlosen Beratung haben all diejenigen, die Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder Wohngeld beziehen. Man vereinbart dann einen Termin, an dem zwei Stromsparhelfer ins Haus kommen und zunächst den aktuellen Stromverbrauch verschiedener Elektrogeräte sowie den Wasserverbrauch messen.

Bei einem zweiten Besuch bringen die Berater technische Soforthilfen mit, die die Kosten für den Haushalt senken sollen, zum Beispiel Energiesparlampen, schaltbare Steckdosenleisten und Wasser sparende Duschköpfe. Ein Budget bis zu 70 Euro steht dafür zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es Tipps zum Kostensparen – ohne erhobenen Zeigefinger. „Wir schreiben den Leuten nicht vor, wie lange man fernsehen soll“, sagt Karsten Boysen.

Tarifberater sind die Stromsparhelfer allerdings nicht – und schon gar nicht Elektriker: Auf mögliche Gefahrenquellen wird in der Ausbildung hingewiesen. Bisher haben Boysen und Kaltschmitt jedoch nur gute Erfahrungen mit ihren „Kunden“ gemacht und wurden stets freundlich empfangen. Schon 25 Heidelberger Haushalte haben sich beraten lassen, bis Ende 2015 peilt man das ehrgeizige Ziel von 220 Haushalten pro Jahr an.

Wie Hans-Wolf Zirkwitz, Leiter des Amtes für Umweltschutz, beim Pressegespräch erklärte, zeige das Projekt, „dass Nachhaltigkeit lebbar ist“. Für die Stadt Heidelberg ist es ein wichtiger Baustein im „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“, der darauf zielt, bis 2050 die CO2-Emissionen in Heidelberg um 95 Prozent und den Energiebedarf um die Hälfte zu senken.

Fi Info: Für eine Energiesparberatung kann man sich direkt beim Caritasverband Heidelberg (Turnerstraße 38) melden: Telefon: 06221/33030, E-Mail: stromsparcheck@caritas-heidelberg.de.

Arndt Krödel © Rhein-Neckar-Zeitung, Region Heidelberg, Freitag, 16.06.2014, Seite 7

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