Sechs Grad Unterschied zwischen zwei Häusern

„Thermografie-Spaziergang“: KliBA-Experte machte Wärmeverluste mit Kamera sichtbar – Gemeinde plant weitere Aktionen

Hirschberg-Leutershausen. Eisigkalt ist es an diesem Dienstagabend in den Straßen im Zentrum von Leutershausen. Trotzdem ist eine kleine Gruppe ortsansässiger Bürger bei einem „Thermografie-Spaziergang“ unterwegs, um den Wärmeverlusten von Gebäuden auf die Spur zu kommen. Ausgerüstet mit Wärmebildkamera und Laptop geht es unter Führung von Thomas Nabbefeld von der Klimaschutz- und Energieberatungsagentur (KliBA) durch das Ortszentrum.

Die nächtliche Dunkelheit und die Winterkälte sollten eigentlich ideale Bedingungen sein, um die Wärmeverluste von Gebäuden aufzuspüren, meinen wohl die meisten der Teilnehmer an dieser von der Gemeinde Hirschberg organisierten Veranstaltung. Doch rasch werden sie von der Realität und Nabbefeld eines Besseren belehrt. „Die Sonneneinstrahlung hat tagsüber die Außenflächen der Gebäude aufgewärmt“, erklärt der Energieberater. Daher sind die Kontraste auf den Bildern der Wärmekamera nicht so stark. Aus diesem Grund werden die Aufnahmen von Gebäuden zur Feststellung der Wärmeverluste eigentlich in den frühen Morgenstunden gemacht.

Auch der Laptop, über dessen größeren Bildschirm die Teilnehmer an dem Rundgang die Aufnahmen besser sehen sollten, scheint die Kälte nicht so gut zu vertragen. Jedenfalls müssen sich alle mit dem kleineren Bildschirm der Kamera zufrieden geben.

Aber auch so lässt sich einiges zu den Auswirkungen der Dämmung von Gebäuden und den Wärmeverlusten ungedämmter Häuser sagen. Gleich beim ersten Gebäudekomplex zeigt sich der Unterschied zwischen gedämmt und ungedämmt. Während das Mauerwerk des gedämmten Gebäudes weniger Wärme abstrahlt und daher blau auf den Bildern der Wärmekamera erscheint, beherrschen rote Farbtöne das Gesamtbild für das direkt angrenzende Haus, was für hohe Wärmeverluste spricht. Etwa sechs bis sieben Grad Unterschied misst Thomas Nabbefeld. An anderer Stelle zeigt sich das gleiche Bild an einem gedämmten Haus, bei dem aber der Keller ungedämmt ist. Auch hier lassen sich Temperaturunterschiede von etwa sechs Grad zwischen dem Untergeschoss und der restlichen Außenwand feststellen.

„Den Keller von außen zu dämmen, ist auch nicht immer sinnvoll“, findet KliBA-Energieberater Udo Benz. So sei bei feuchten Kellern sogar zu empfehlen, keine Dämmung der Außenwand vorzunehmen, da es sonst zur Schimmelbildung kommen könnte. Viel besser sei es, die Decke zu dämmen, damit die Kälte aus dem Keller nicht in das Erdgeschoss gelangt.

Nach gut einer halben Stunde in der eisigen Kälte geht es in die Wärme, die die Räume der ehemaligen Schillerschule bieten. Hier ist nicht nur Zeit für Fragen, Bürgermeister Manuel Just geht auch auf die Hintergründe des „Thermografie-Spaziergangs“ ein.

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Thomas Nabbefeld von der KliBA zeigte den Teilnehmern des Spaziergangs am Dienstag mit seiner Kamera die Temperaturunterschiede.

Dieser ist eine Aktion, um die Hausbesitzer auf die Möglichkeiten des Landessanierungsprogramms „Leutershausen Ortskern II“ aufmerksam zu machen. Das im Jahr 2013 an den Start gegangene Programm hat nun etwa die Hälfte seiner Laufzeit erreicht. Die eine oder andere Maßnahme sei auch über das Programm finanziert worden, so Just. Insgesamt sei es aber doch etwas wenig, befand er. Daher will die Gemeinde in den kommenden Wochen noch mit mehreren Aktionen, wie etwa zu Solar- oder Gebäudechecks auf dieses Programm hinweisen.

Die Fragen der Teilnehmer an dem „Thermografie-Spaziergang“ beziehen sich vor allem auf die Möglichkeiten, die ein Hausbesitzer hat, um die Wärmeverluste seines Hauses zu verringern. So lassen sich etwa vom Gebäude entkoppelte Balkone aus Metall oder Holz errichten, die die fest mit dem Gebäude verbundenen alten Balkone ersetzen, über die Kälte in das Gebäudeinnere gelangt. Von Stefan Zeeh

© Rhein-Neckar-Zeitung, Bergstraße/Mannheim - Weinheimer Rundschau vom Donnerstag, 1. März 2018, Seite 5

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