Photovoltaik oder Solarthermie? Sonnenenergie im Fakten-Check

Angesichts des russischen Angriffskrieges in der Ukraine, der mit zunehmender Härte und Zerstörung seit über zwei Monaten geführt wird, ist in Deutschland eine verstärkte Debatte um die Abhängigkeit von Gasimporten entstanden. Der Anteil von russischen Gaslieferungen nach Deutschland ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Dies steht im direkten Zusammenhang mit dem zu zögerlichen Ausbau der erneuerbaren Energien und dem viel zu langen Festhalten an fossilen Brennstoffen. Hätten wir mehr heimische Ökostrom-Anlagen und dazugehörige Speicher gebaut, wären wir nicht in diesem Ausmaß von russischem Erdgas abhängig und Menschen hätten unterm Strich mehr Geld in der Tasche.

Ganz und gar aus natürlichen Ressourcen können Privathaushalte diese frei verfügbare Energie auch Zuhause nutzen. Möglich ist das entweder mit einer Photovoltaik-Anlage zur Erzeugung von Strom aus Sonnenlicht oder mit einer solarthermischen Anlage für Warmwasser und Heizung. Doch welches System macht mehr Sinn?

Was ist der Unterschied zwischen Photovoltaik- und Solarthermie-Anlagen?

Photovoltaik-Anlagen verwandeln Sonnenlicht in Strom. Der wird dann entweder direkt Zuhause verbraucht oder ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Für den eingespeisten Strom erhält der Besitzer die sogenannte Einspeisevergütung. Die erzeugte Energie wird also voll genutzt. Solarthermie-Anlagen gewinnen Wärme aus dem Sonnenlicht und unterstützen damit die Bereitstellung von Warmwasser und die Raumheizung. Überschüssige Wärme kann in diesem System nicht genutzt werden.

Wie rentabel sind die Anlagen?

Photovoltaik-Anlagen rechnen sich oftmals etwas schneller, weil der überschüssige Strom ins Netz eingespeist werden kann und vergütet wird. Für eine Anlage mit einer Leistung bis 10 kW, die im Juli 2022 in Betrieb genommen wird, beträgt die Einspeisevergütung derzeit 6,53 Cent je Kilowattstunde (kWh). Andererseits wird die Installation einer solarthermischen Anlage durch die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) mit einem Zuschuss in Höhe von 30 Prozent der Investitionskosten gefördert. Wird gleichzeitig noch eine alte Ölheizung ersetzt erhöht sich der Zuschuss um weitere 10 Prozent.

Für wen sind die Anlagen besonders interessant?

Voraussetzung für beide Systeme sind geeignete Dachflächen: ausreichend groß, möglichst wenig verschattet und nach Süden, eventuell auch Osten oder Westen, ausgerichtet. Eine Photovoltaik-Anlage kommt infrage, wenn ein möglichst großer Teil des erzeugten Stroms selbst verbraucht wird, da die eingesparten Kosten je kWh deutlich über der Einspeisevergütung liegen. Solarthermie ist für Haushalte ab etwa drei bis vier Personen geeignet – in kleineren Haushalten ist der Warmwasserverbrauch häufig zu gering. Bei Anlagen zur Heizungsunterstützung muss die Größe der Anlage am Wärmebedarf orientiert sein.