Peter Reichert, Bürgermeister von Eberbach mit dem Ehepaar Koch vor ihrem frisch sanierten Wohnhaus. Bild: Gülay Keskin.
Ein Praxisbeispiel gelungener Sanierung aus Eberbach
Energetische Sanierung zahlt sich aus: Sie senkt Kosten, reduziert CO2-Emissionen und erhöht den Wohnkomfort. Die Sanierung eines Fachwerkhauses erfordert jedoch besondere Fachkenntnis und sorgfältige Planung, denn historische Gebäude brauchen spezielle Maßnahmen und oft traditionelle Materialien. Wie so eine Sanierung in der Praxis aussieht, welche Schritte sich bewährt haben und welche Erfahrungen Eigentümer sammeln, zeigte Familie Koch beim Aktionstag „GUT SANIERT?! ANSEHEN!“ der KLiBA, Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur Heidelberg – Rhein-Neckar-Kreis, in Kooperation mit der Stadt Eberbach.
Familie Koch ist eine aufgeschlossene Familie, die ihren Traum vom modernisierten Fachwerkhaus lebt und öffnet gerne Türen. Das im 18. Jahrhundert errichtete Haus in der Altstadt von Eberbach war lange Zeit Werkstatt und Wohnhaus von Schuhmachermeister Karl Muff. Auf eine Verkaufsanzeige im Online-Magazin EBERBACH-CHANNEL gestoßen, haben sich die Eigentümer in das Haus verliebt und es zu einem vergleichsweise erschwinglichen Preis erworben. Über fünf bis sieben Jahren haben sie das Haus Schritt für Schritt – mit einem hohen Anteil an Eigenleistung – komplett modernisiert und zu einem zeitgemäßen, energetisch ertüchtigten Wohnraum umgebaut.
Bei sommerlichen Temperaturen und strahlender Sonne konnten Interessierte das mit Herzblut sanierte Haus besichtigen. Der Andrang war groß: Mehrere Führungen sorgten dafür, dass Besucherinnen und Besucher auch im recht engen Innenraum Einblicke gewinnen konnten. „Über gut zwei Stunden hinweg waren rund 25 Personen vor Ort. Es war ein sehr anregender Nachmittag, wir hatten Spaß daran, unsere Erfahrungen zu teilen und miteinander ins Gespräch zu kommen“, resümiert Gabi Wittemann-Koch.
Was wurde gemacht?
Im Zuge der kompletten Sanierung erhielt das Fachwerkhaus einen modernen Grundriss. Das Dach wurde mit 12 cm Aufsparrendämmung, 16 cm Zwischensparrendämmung und 2 cm Untersparrendämmung aus Holzweichfaser und Mineralfaser gedämmt. Die Außenwände wurden von innen mit Holzfaserplatten versehen, die Kellerdecke erhielt eine Dämmung aus Tonkugeln (6 cm) plus 2,8 cm OSB-Platte und 2 cm Massivholzdiel. Fenster wurden durch neue mit dreifacher Wärmeschutzverglasung mit Holzrahmen erneuert. Der Primärenergiebedarf sank damit um mehr als 50 Prozent.
Zeichen setzen: Was möglich ist
Ein Herzanliegen der Kochs ist, dass ihre Erfahrungen andere Leute dazu inspirieren sollten, sich in ein ähnliches Abenteuer zu begeben, um ein zeitgemäßes Wohngefühl im innerstädtischen Umfeld zu schaffen. Denn das immer weiter schreitende Verwaisen in Eberbachs Altstadt verfolgen sie mit großer Sorge und wollten dieser Entwicklung entgegenwirken.
Die Altstadt bleibt aufgrund von zunehmenden Leerständen einer der brennenden Sorgenpunkte der Kommune. Die Stadt unterstützt seit 2023 die Fassadensanierungsmaßnahmen von Häusern und Geschäftsgebäuden der Eberbacher Altstadt. Weitere Informationen dazu finden sich auf der Website der Stadt unter Fassadensanierung | Eberbach. Bürgermeister Peter Reichert ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, das frisch modernisierte historische Einfamilienhaus in der Unteren Badstraße 21 zu besuchen und war vom Ergebnis überwältigt: “Dieses Haus zeigt, wie sensibel und zeitgemäß sanierte Fachwerkhäuser die Altstadt stärken, Leerständen entgegenwirken und andere dazu inspirieren können, ähnliche Schritte zu wagen.”
Im Mittelpunkt des Aktionstages standen nicht nur allgemeine Tipps, sondern konkrete Details zur Umsetzung. „Bei einer Sanierung kommt viel handwerkliches Geschick hinzu. Die Komplettsanierung war vor allem dank eines hohen Anteils Eigenleistung möglich“, betont Rüdiger Koch. Die Familie übernahm selbst größere Arbeiten wie den Abriss einzelner Wände, Verputzen, Dämmen und das Neugestaltung von Wänden und Böden.
Über zwei Stunden lang gab es vor dem und im gastfreundlichen Haus regen Austausch: Die Energieberaterin der KLiBA Mara Muth führte Gespräche zu aktueller Rechtslage und Fördermöglichkeiten. Besonders bei älteren Gebäuden suchen Eigentümerinnen und Eigentümer Orientierung: Welche Schritte zuerst? Welche Förderungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung?
Klimaschutz zum Mitmachen
Die Aktionstage „GUT SANIERT?!“ verdeutlichen: Energetische Sanierung ist kein Hexenwerk. Sie lohnt sich für Umwelt, Geldbeutel und Lebensqualität. Für jedes Haus gibt es individuelle Lösungen– unabhängig davon, ob es denkmalgeschützt oder aus den 1950er bis 1980er Jahren stammt. Alle Gebäudesteckbriefe der beteiligten Familienhäuser finden sich unter www.kliba-heidelberg.de.
Ihre Ansprechpartner für weitere Informationen:
Kerstin Stolz, Energieberaterin, Tel.: 06221 99875-0, gutsaniert@kliba-heidelberg.de
Anton Fleischmann, Energie- und Klima-schutzmanager, Tel.: 06271 87-209, klimaschutz@eberbach.de
