Optisch ist das Rathaus in Neidenstein ein schönes Gebäude, aber bezüglich des Energieverbrauchs wird sich die Gemeinde in den nächsten Jahren Gedanken machen müssen. Foto: Berthold Jürriens
KLiBA-Bericht bescheinigt Neidenstein insgesamt ordentliche Verbrauchswerte, aber der Wasserbedarf gibt Rätsel auf
Neidenstein. (bju) Die Mehrzweckhalle schneidet gut ab, das Rathaus weniger. Die Kindertagesstätte sollte man im Blick behalten. Und über allen kommunalen Gebäuden schwebt die Frage, wie lange Gas noch ein wirtschaftlich verlässlicher Energieträger bleibt.
Sebastian Ender von der Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur Heidelberg-Rhein-Neckar-Kreis, kurz KLiBA, stellte dem Gemeinderat und Bürgermeister Frank Gobernatz den Energiebericht 2025 vor. Die Agentur begleitet fünf kommunale Liegenschaften und wertet deren Wärme-, Strom- und Wasserverbrauch aus. Für 2025 weist der Bericht einen witterungsbereinigten Wärmeverbrauch von gut 304 500 Kilowattstunden aus. Nach dem Rückgang im Vorjahr ging es damit wieder nach oben. Einen einzelnen Verursacher konnte Ender nicht ausmachen: Fast alle betrachteten Gebäude verbrauchten mehr Wärme als 2024. Sollte sich der Anstieg fortsetzen, müsse genauer nach den Ursachen gesucht werden.
Beim Strom zeigt die Kurve in die andere Richtung. Der Verbrauch ging 2025 um rund 2000 Kilowattstunden zurück. Besonders die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED mache sich bemerkbar. Sie bleibt zwar der größte kommunale Stromverbraucher, benötigt aber deutlich weniger Energie als vor der Umrüstung. „Einen auffälligen Sprung gab es beim Wasser“, sagte der Energie-Experte. Von 515 Kubikmetern im Jahr 2024 stieg der Verbrauch auf 859 Kubikmeter. Nahezu der gesamte Mehrverbrauch entfiel auf die Mehrzweckhalle. In der Sitzung wurde dies unter anderem mit der intensiven Nutzung der dortigen Toiletten beim Dorffest erklärt. Die Entwicklung soll weiter beobachtet werden.
Bei den Kohlendioxid-Emissionen entfielen 2025 rund 70 Tonnen auf Wärme und 27 Tonnen auf Strom. Als strukturelles Risiko bezeichnete Ender die starke Abhängigkeit vom Erdgas: Sämtliche betrachteten Gebäude werden damit beheizt. Schwankende Gaspreise und steigende CO2-Kosten könnten die Gemeinde künftig stärker belasten, warnte er.
Positiv bewertete der Energie-Fachmann die Photovoltaik-Anlagen. Sie erzeugten zusammen rund 25.000 Kilowattstunden Strom. Vor allem die Mehrzweckhalle erreiche einen hohen Eigenverbrauch. Auch energetisch steht das Gebäude nach seiner Sanierung gut da: Mit 58 Kilowattstunden Wärme je Quadratmeter und Jahr liegt es deutlich unter dem Vergleichswert von annähernd 100 Kilowattstunden.
Das Rathaus verbraucht dagegen sowohl bei Wärme als auch bei Strom mehr als vergleichbare Verwaltungsgebäude, „was aber auch dem Alter des Rathauses geschuldet ist“, erklärte Ender. Die Grundschule liegt beim Wärmebedarf leicht über dem Durchschnitt, der Kindergarten etwas darunter. Kurzfristig drohe allerdings kein Ausfallmarathon, beruhigte Ender. „Die Heizungsanlagen sind insgesamt solide.“ Bei künftigen Erneuerungen solle die Gemeinde dennoch auf erneuerbare Wärme setzen und besonders für Rathaus und Kindergarten Sanierungsmöglichkeiten prüfen. Der Gemeinderat nahm den Energiebericht zur Kenntnis.
RNZ, Kraichgau, 13.08.26, S. 5
